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Energietechnik

EZA-Regler – FAQ

Was ist ein EZA-Regler, wann ist er Pflicht und was muss er können? Alles zu Funktionen, gesetzlichen Anforderungen nach §9 EEG und VDE-AR-N 4110/4120 sowie Schnittstellen zu Netzbetreiber und Direktvermarkter.

1. Juni 2026

Grundlagen

Was ist ein EZA-Regler?

EZA steht für Erzeugungsanlage – der Begriff kommt aus den technischen Anschlussregeln (VDE-AR-N). Ein EZA-Regler ist eine Steuerung, die den Netzbetrieb einer Erzeugungsanlage (typisch: PV-Parkanlage) überwacht und regelt.

Er ist das Bindeglied zwischen:

  • den Wechselrichtern der Anlage,
  • dem Netzbetreiber (Netzstabilität, Spannungshaltung),
  • und dem Direktvermarkter (Fernsteuerung für EEG-Vermarktung).

Was macht ein EZA-Regler konkret?

  • Erfasst laufend Messwerte: Wirkleistung, Blindleistung, Spannung, Frequenz
  • Empfängt Steuerbefehle von Netzbetreiber und Direktvermarkter
  • Regelt die Wechselrichter entsprechend (Leistungsreduzierung, Blindleistungsvorgabe)
  • Meldet Statusinformationen und Störungen zurück
  • Schützt die Anlage bei Netzfehlern (Spannungs-/Frequenzschutz)

Ab wann ist ein EZA-Regler Pflicht?

Zwei Anforderungen greifen unabhängig voneinander:

§9 EEG – Fernsteuerbarkeit: PV-Anlagen ab 100 kW müssen fernsteuerbar sein – der Netzbetreiber muss die Anlage aus der Ferne ein-/ausschalten und die Einspeiseleistung reduzieren können.

VDE-AR-N 4110 / 4120 – Anschluss ans Mittel- oder Hochspannungsnetz: Sobald eine Anlage ans Mittelspannungsnetz (VDE-AR-N 4110) oder Hochspannungsnetz (VDE-AR-N 4120) angeschlossen wird, gelten erweiterte Anforderungen an Schutz, Regelung und Kommunikation – erfüllbar nur mit einem zertifizierten EZA-Regler.

In der Praxis betrifft das PV-Anlagen ab ca. 100–135 kW, da diese in der Regel ans Mittelspannungsnetz angeschlossen werden.


Was ist der Unterschied zwischen VDE-AR-N 4110 und 4120?

VDE-AR-N 4110VDE-AR-N 4120
NetzebeneMittelspannung (1–60 kV)Hochspannung (60–110 kV)
Typische Anlagengrößeab ~100 kWab ~10 MW
Anforderungenumfangreichsehr umfangreich
ZertifizierungEinheiten- + AnlagenzertifikatEinheiten- + Anlagenzertifikat

Beide Normen schreiben vor, welche Schutz- und Regelfunktionen die Anlage haben muss und wie die Kommunikation mit dem Netzbetreiber aufgebaut sein soll.


Regelungsfunktionen

Wirkleistungsregelung (P-Regelung)

Der Netzbetreiber kann die Einspeiseleistung auf einen bestimmten Wert begrenzen – z.B. auf 70% der Nennleistung bei Netzüberlastung. Der EZA-Regler setzt diese Vorgabe um, indem er die Wechselrichter entsprechend drosselt.

Typische Sollwertvorgaben:

  • Absoluter Leistungswert (kW)
  • Prozentualer Wert der Nennleistung
  • Gradient (Leistungsänderung pro Minute)

Blindleistungsregelung (Q-Regelung)

Für die Spannungshaltung im Netz ist nicht nur Wirkleistung relevant. VDE-AR-N 4110 schreibt vor, dass Anlagen kapazitive oder induktive Blindleistung liefern können müssen.

Regelstrategien:

  • Fester cos φ (Leistungsfaktor)
  • cos φ (P) – lastabhängig
  • Q (U) – spannungsabhängige Blindleistungsregelung
  • Fester Q-Wert

Der Netzbetreiber legt im Netzanschlussvertrag fest, welche Strategie gilt.


Spannungs- und Frequenzschutz

Bei Netzfehlern (Unter-/Überspannung, Unter-/Überfrequenz) muss die Anlage innerhalb definierter Grenzwerte und Zeitverzögerungen vom Netz trennen. Der EZA-Regler überwacht diese Parameter kontinuierlich.


Schnittstellen & Kommunikation

Wie kommuniziert der EZA-Regler mit dem Netzbetreiber?

Das häufigste Protokoll ist IEC 60870-5-104 (TCP/IP-basiert). Manche Netzbetreiber fordern IEC 61850. Der Netzbetreiber definiert den Kommunikationsstandard im Netzanschlussvertrag.

Übertragen werden:

  • Messwerte (Wirkleistung, Blindleistung, Spannung, Strom, Frequenz)
  • Steuerbefehle (Ein/Aus, Leistungssollwerte, Blindleistungssollwerte)
  • Meldungen (Betriebszustand, Störungen, Schutzauslösungen)

Wie kommuniziert der EZA-Regler mit dem Direktvermarkter?

Für die EEG-Direktvermarktung nach §12 EEG muss der Direktvermarkter die Anlage fernsteuern können. Protokolle und Schnittstellen variieren je nach Direktvermarkter – häufig kommen proprietäre Protokolle oder REST-APIs zum Einsatz. Ein flexibler EZA-Regler muss mehrere Protokolle parallel unterstützen können.


Wie kommuniziert der EZA-Regler mit den Wechselrichtern?

Typische Protokolle zur Wechselrichteranbindung:

  • Modbus TCP / Modbus RTU (am weitesten verbreitet)
  • SunSpec (standardisierte Modbus-Profile)
  • Herstellerspezifische Protokolle (SMA, Fronius, Huawei, etc.)

Zertifizierung

Was bedeutet “zertifizierter EZA-Regler”?

VDE-AR-N 4110/4120 verlangen den Nachweis, dass die Anlage die Normforderungen erfüllt. Dazu gehören:

  • Einheitenzertifikat: Nachweis für einzelne Komponenten (z.B. Wechselrichtertyp)
  • Anlagenzertifikat: Nachweis für die Gesamtanlage inkl. EZA-Regler, ausgestellt durch ein akkreditiertes Prüfinstitut

Ohne gültiges Anlagenzertifikat verweigert der Netzbetreiber in der Regel die Inbetriebnahmegenehmigung.


Was prüft das Zertifizierungsinstitut?

  • Schutzfunktionen und deren Einstellwerte
  • Regelverhalten unter verschiedenen Netzbedingungen
  • Kommunikationsschnittstellen und Protokollkonformität
  • Dokumentation und Parametrierung

Ausführung & Technik

Welche Hardware eignet sich für einen EZA-Regler?

Grundsätzlich gibt es zwei Ansätze:

Industriesteuerung (SPS-basiert):

  • Robuste Hardware, ausgelegt für raue Industrieumgebungen
  • Lange Verfügbarkeit der Baugruppen (10–15 Jahre)
  • Deterministische Echtzeitverarbeitung
  • Bewährt in Energietechnik und Kraftwerksautomation

Linux-System:

  • Flexibel und updatefähig
  • Einfache Integration moderner Protokolle und Cloud-Anbindungen
  • Kostengünstiger in der Hardware

Ein EZA-Regler auf Basis einer Industriesteuerung kombiniert mit Linux verbindet beide Vorteile: Die Robustheit der Industrieelektronik mit der Flexibilität eines offenen Betriebssystems.


Wie lange ist ein EZA-Regler im Betrieb?

PV-Anlagen laufen 20–30 Jahre. Der EZA-Regler muss daher:

  • über den gesamten Betriebszeitraum wartbar und updatefähig sein,
  • sich an geänderte Netzbetreiberanforderungen anpassen lassen,
  • und zukünftige Normänderungen (neue VDE-Versionen) unterstützen.

Proprietäre Systeme mit herstellergebundenen Updates sind hier ein Risikofaktor.


EZA-Regler · §9 EEG · VDE-AR-N 4110/4120 · Stand Juni 2026

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